Stein Nr. 0127

Die Geschichte zum Stein Nr. 0127 erzählt die Familie Crummenerl:

Ein halbes Jahr, bevor Rainer Crummenerl 2001 von Leipzig kommend Brandiser wurde, beabsichtigte das „Börsenblatt“ (Verbandsorgan des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels) einen Beitrag über ihn zu veröffentlichen. Auf seine Frage, was denn so interessant an ihm sei, antwortete die mit dem Interview beauftragte Autorin: „Weil Sie einer der ganz wenigen Ihres Gebietes sind, die es nach der Wende wieder geschafft haben.“ Darauf Rainer Crummenerl: „Es blieb mir auch gar nichts weiter übrig“.

Denn Rainer hatte sich schon 1980 mit Geschichten für Kinder (häufig inspiriert von den Erlebnissen seiner Tochter und seines Sohnes), Hörspielen und Sachbüchern für Kinder, aber auch einigen für Erwachsene freischaffend machen können. Unter anderem entwarf und textete  er bibliophile Kostbarkeiten, die als Werbegeschenke für große Firmen sehr begehrt waren. Das Meiste davon hat nach 1990 niemanden mehr interessiert. Ein gerade erst im Kinderbuch-verlag Berlin erschienenes, exzellent illustriertes siebzigseitiges Buch über Lokomotiven wurde verramscht, zwei Bücher der gleichen Sachbuchreihe für Kinder kamen nicht einmal über das Manuskript – Stadium hinaus.

Was also tun? Klinken putzen und jeden Auftrag annehmen – auch den, für den man sich zunächst überhaupt nicht fähig fühlte. Und so hatte sich Rainer schon bis zum Zeitpunkt des „Börsenblatt“ – Interviews zu einem bekannten und gefragten Kindersachbuchautor entwickelt.

Vielleicht 35 oder 40 Bücher hat er in diesen Jahren geschrieben, daneben zahlreiche Beiträge für Schulbücher, Sammelbände und allgemeinbildende Werke. Viel Zeit hat er in drei Bände der Allgemeinbildungsbibliothek des Arena – Verlages „Das musst du wissen“ investiert, deren naturwissenschaftliche Teile er maßgeblich mit geprägt hat. Für seine große Liebe, die Belletristik, blieb da so gut wie keine Zeit. Mit einer Ausnahme: 1997 bat man ihn, entweder einen Kriminalroman für Kinder oder ein Buch mit 25 spannenden und witzigen Kriminalge-schichten zu schreiben. Rainer entschied sich für Letzteres – und landete mit seinen „Kommissar – Hell“ – Geschichten mehr als nur einen Achtungserfolg. Denn aus dem einen wurden drei dieser 150 – Seiten – Bände; aus dem zweiten durfte er 1999 auf der Frankfurter Buchmesse vor einem begeisterten Publikum lesen.

Dann überrollten ihn wieder die Angebote so renommierter Kinderbuchverlage wie Tessloff, Arena und Loewe. Vor allem das Flaggschiff des Tessloff – Verlages, die WAS – IST – WAS Reihe, hat ihn außerordentlich gefordert. WAS – IST – WAS ist weltweit der Marktführer bei den Kinder – und Jugendsachbuchreihen. Rainer hat neun Bücher unterschiedlichster Wissens-gebiete für WAS – IST – WAS verfasst und ist damit der am zweithäufigsten vertretene Autor. Da diese Bände ständig überarbeitet und auf den neuesten Wissensstand gebracht werden, erwartet ihn auch in den nächsten eigentlich ruhiger angedachten Jahren noch ziemlich viel Arbeit.

Eine Sonderstellung in Rainer Crummenerls Schaffen nimmt ein Buch ein, das gut zehn Jahre brauchte, um auf dem Buchmarkt zu erscheinen. Das kam so: 1985/86 hatte Rainer als Produktionsarbeiter auf einem Rostocker Fang – und Verarbeitungsschiff angeheuert und eine viermonatige Seereise unternommen, die ihn nach Afrika, in die Antarktis und nach Südamerika führte. Das Zusammenspiel unglücklicher Umstände verhinderte, dass das vorgesehene Buch über diese in jeder Beziehung außergewöhnliche Reise zu Vorwendezeiten erscheinen konnte. Und danach? Da wollte es niemand mehr. Jahre später kam eine Lektorin des bekannten Rostocker  Hinstorff – Verlages auf die pfiffige Idee, einige Kapitel aus Rainers Reisebuch in einem Fisch – Kochbuch zu „verstecken“. Neben zahlreichen Fischrezepten inklusive Fotos vereinte das Buch rund 50 Seiten Reportage – Text und zahlreiche Farbfotos  aus der Welt der Hochseefischer. So wurde aus Rainer also auch ein Kochbuchautor, der- immerhin – Fisch zumindest gerne isst. „Fisch und mehr“, das war wohl ein Experiment.

Knapp 80 Bücher hat Rainer inzwischen verfasst. Nicht wenige von ihnen sind übersetzt worden und in anderen Ländern erschienen. „Kommissar Hell“ beispielsweise hat es bis nach Dänemark, Frankreich und Spanien geschafft, sein Kinderbuch – Schlager „Sterne und Planeten“ wurde auch in Südkorea ein Renner, und viele seiner WAS – IST – WAS – Bände stehen in den Buchläden von wohl 30 oder 40 Ländern. Rainers Bücher sind zusammen genommen in über 20 Sprachen übersetzt worden, darunter Spanisch, Englisch, Niederländisch, Chinesisch, Rumänisch, Koreanisch und Türkisch.

Ein besonderes Erlebnis für den Autor war es, als er einige seiner Titel in einer Swakopmunder Buchhandlung (Namibia) entdeckte – in deutscher Sprache. Noch mehr aber bewegte ihn der Besuch einer Buchhandlung in Shanghai, denn dort lagen vier seiner soeben in China herausgekommenen WAS – IST – WAS – Titel in großen Stapeln aus. Rainer konnte nicht widerstehen und musste sich ein Buch kaufen, es war äußerst preiswert. Den in die vereinfachte chinesische Kurzform übersetzten Text kann er zwar nicht lesen; immerhin aber kennt er ihn ja. Übrigens – ein weiteres Buch von ihm ist in Hongkong in der traditionellen chinesischen Langschrift erschienen.

Immer dann, wenn ein Paket mit Belegexemplaren Rainer in Waldsteinberg erreicht, kann es sein, dass eines seiner Bücher wieder in einem anderen Land erschienen ist.

Natürlich werden bei weitem nicht mehr alle von Rainer Crummenerl verfassten Bücher vom Buchhandel angeboten. Da sieht es in den meisten Bibliotheken schon besser aus. Vor allem aber liest Rainer gelegentlich noch immer gern vor Schulklassen oder in Bibliotheken aus seinen Büchern. Am liebsten in Brandis und Umgebung, aber auch in Hamburg, Dresden, Stuttgart oder anderswo,. Und wenn er nicht selber liest, dann übernehmen das die Profis – nahezu ein Dutzend seiner Bücher sind mittlerweile als Hörbücher erschienen.

 

… Und wenn er mal gar nicht liest oder schreibt – haben wir auch gern mal Spaß bei Radfahren oder einem Gläschen in gemütlicher Runde.