Stein Nr. 0070

Die Geschichte zum Stein erzählt  Ingrid Mark, die Enkelin des Direktors:

 

Oskar Stoffregen wurde 1878 in Bad Salzdethfurt geboren.

 

Zu Beginn des neunzehnten Jahrhunderts erfolgte auch im Brandiser Raum die Industrialisierung. Die Nutzung der Tonvorkommen, deren Abbau und die Ziegel-herstellung für den Hausbau standen neben der Förderung von Braunkohle an der Spitze und schafften Arbeitsplätze.

Die Entwicklung der Stahlindustrie zwischen Leipzig, Wurzen und Riesa sorgte für große Nachfrage von feuerfesten Steinen. Nach entsprechenden Versuchen wurde festgestellt, dass sich der geförderte Ton dazu gut eignete.

1904 wurden dazu vom Fabrikbesitzer Herrn Schütz aus Wurzen, Herrn Struwe aus Leipzig und Oskar Stoffregen aus Brandis die „Brandiser Thonwerke GmbH“ gegründet. Diese wurden von ihnen als Gesellschafter geführt. Oskar Stoffregen wurde 1911 der Direktor der Brandiser Thonwerke GmbH und blieb es bis 1946.

Am 30.06.1946 erfolgte die Enteignung auf Grund des Befehls Nr. 2 der SMAD (Sowjetische Militäradministration in Deutschland).

Im September 1949 wurde mein Großvater zu 1,5 Jahren verurteilt und zwar auf Grund der Aussage: „Er hätte Kriegsgefangene schlecht behandelt“. Ihm wurden sämtliche Ehrenbürgerrechte abgesprochen.

Diese Aussage „vom Hören-Sagen“ und Dritter konnte jedoch nicht bewiesen werden. Auch eidesstattliche Erklärungen von Arbeitern der Brandiser Thonwerke fanden keine Berücksichtigung.

4 Jahre nach Kriegsende könnte dies auch einer Verleugnung gleichkommen. Bereits seit Januar 1949 saß er bis Oktober 1949 in Waldheim in Untersuchungshaft, welche auf die Gesamtstrafe angerechnet wurde. Auf Grund seines Gesundheitszustandes wurde er vorzeitig entlassen.

Der Antritt der Reststrafe wurde mehrfach verschoben (zuletzt bis Januar 1956).

Mein Großvater verstarb 1953.