Stein Nr. 55

Übersicht der verlegten Meilen-Steine                                       Chronik der Steine

Die Geschichte des Steins Nr.: 55 

 

 Stifter:                       ESV Lok Beucha

 Inschrift:                       Gottfried Siegel
                         Begründer des Wintersports
                                    im ESV Lok Beucha

Datum der Stiftung: 29.04.2006

 Die Geschichte zum Stein wird erzählt von seiner Frau und seinen Wintersportfreunden:

Gottfried Siegel wurde am 23.Dezember 1914 in Johanngeorgenstadt geboren und starb am 17.3.1999 in Brandis. Er besuchte dort von 1921 bis 1929 die Grundschule.

Bereits mit 6 Jahren begann er mit dem Skifahren. Seine ersten Ski waren sogenannte „Fassdauben. Latten, die eigentlich zur Herstellung großer Weinfässer verwendet wurden, kürzte man und versah sie mit einer einfachen Schlaufe für die Befestigung der Skischuhe. Dies war eine primitive aber kostengünstige Variante, um über den Schnee zu gleiten. Mit 10 Jahren begann er auf kleinen Schanzen mit dem Skisprung.

Ab 1929 erlernte er bei seinem Vater das Schuhmacherhandwerk und besuchte auch die Gewerbeschule in Aue.

Bis zu seiner Einberufung zur Deutschen Wehrmacht im Jahr 1936 stand Skisport an erster Stelle und er versuchte sich auf allen Schanzen in und um Johanngeorgenstadt.

Nach dem Krieg führte Gottfried Siegel das Geschäft seines Vaters weiter und machte 1947 die Meisterprüfung.

Wintersport kam während des Krieges fast völlig zum Erliegen und viele Sportler star- ben „auf dem Schlachtfeld. Die Schanzen der Umgebung hatten den Krieg nicht gut überstanden, in den Nachkriegsjahren wurde ein großer Teil für Brennholz verwendet, um die größte Not der Bevölkerung in den ersten Wintern zu lindern.

Allmählich kam jedoch wieder Schwung in den Sport, neue Anlagen entstanden und erste Wettkämpfe wurden organisiert. Gottfried Siegel war mit Eifer dabei.

Mit dem Ausweiten des Uranbergbaues im Erzgebirge unter der Leitung der Wismut wurde in den fünfziger Jahren die Altstadt von Johanngeorgenstadt abgerissen. Die Einwohner wurden umgesiedelt. Gottfried Siegel erwarb ein Grundstück in Brandis und eröffnete seine Schuhmacherwerkstatt.

Seine Liebe zum Wintersport brachte er mit ins Flachland der Leipziger Tiefebene. Ab 1957 organisierte er im Kreis Wurzen diese atypische Sportart.

Mit seinem Eifer steckte er viele an. Die ersten Wintersportenthusiasten fuhren  begeistert mit dem 1. Wintersportsonderzug 1961 in die Berge des Erzgebirges.

Organisiert hatte diese Fahrt  Gottfried Siegel.

Im Jahr 1960 sollte auch in Brandis eine Sprungschanze entstehen. In vielen freiwilligen Einsätzen arbeiteten die Sportler unter Anleitung des Sportfreundes Siegel und 1963 konnte seine von ihm konzipierte Schanze eingeweiht werden.

 Die Schanze im Flachland

  Jugendschanze entsteht in Brandis

Artikel in der LVZ von Horst Melke (BFA Ski Leipzig)

 „…An der Spitze der NAW-Helfer steht Gottfried Siegel mit 126 Stunden. Mit 29 bzw. 26 Stunden kommen die Jugendlichen

Engel und Wöllner als nächste. Auch die Turner von Stahl Brandis waren sehr aktiv. Damit die neue Sportstätte für die Jugend fertig wird bis der erste Schnee fällt, müssen noch mehr Sportler am Kohlenberg mithelfen.

 Viele Talente des Wintersportes aus Brandis und Umgebung konnten sich nicht nur auf den von ihm organisierten Skirollern in der Wald- und Ernst –Thälmann - Str. (heute Schützenstr.) betätigen, sondern ihren Mut auf der Schanze beweisen. Lohn für ihren Trainingsfleiß erhielten die Flachländer bei der erfolgreichen Teilnahme an den Winterspartakiaden im Erzgebirge bzw. Thüringer Wald.

 

1969 wurde der Wintersport von Wurzen nach Beucha verlagert. Sechs Sportler wollten aktiv Wintersport betreiben. Bald waren über 70 begeistert beim Training dabei, denn es sprach sich unter den Schülern der Grund - und Mittelschulen von Brandis, Beucha und Machern schnell herum, dass man hier beim Training an frischer Luft und bei jedem Wetter Spaß haben kann.

Bis heute finden sich Sportbegeisterte zusammen, die die Interessen des Skisports hochhalten und aktiv betreiben. Ohne das Engagement von Gottfried Siegel gäbe es keine Wintersportgruppe ESV Lok Beucha. Die Sportler wissen, was sie ihrem Sportfreund Siegel zu verdanken haben.

Er bewegte etwas.

In Erinnerung an seine Leistungen stifteten sie für Gottfried Siegel den Meilenstein für ihren „Bewegenden Brandiser.  

Verein Brandiser Meile e. V., Hauptstraße 34, 04821 Brandis                              schreiben Sie uns: info@brandiser-meile.de
Antrag-Meile